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27.11.2018Ilona Jüngst

Erfolgsfaktor Handelslogistik

trans aktuell-Symposium bei Metro

Gigantische Ausmaße: 235.00 Quadratmeter Logistikflächen bewirtschaftet Metro Logistics Germany an seinem Standort Marl. Was sich auf den Flächen abspielt und worauf es in der Handelslogistik ankommt, davon konnten sich die Teilnehmer des trans aktuell-Symposium „Erfolgsfaktor Handelslogistik: Richtige Immobilien und passende Partner finden“ überzeugen.

Geschäftsbereichsleiter Thorsten Sega berichtete von den einzelnen Entwicklungsschritte des Standorts, der über zwei Hallen verfügt: In Halle A mit rund 80.000 Quadratmeter werden die Metro Cash & Carry-Großmärkte bedient, aus Halle B mit rund 140.000 Quadratmeter Artikel werden rund 280 Real-Supermärkte bedient. Dem Neubau ging eine Umstrukturierung der Logistik voraus – laut Sega betrieb die Metro Logistics vorher 13 Standorte, von denen insgesamt sieben geschlossen wurden. Neben Marl baute Metro auch in Kirchheim einen neuen Standort. Das Ziel der neuen Aufstellung: weniger Rampenkontakt und eine höhere Warenverfügbarkeit in allen Vertriebskanälen. Bewusst setzte Metro dabei in Marl auf die Mann-zu-Ware-Kommissionierung und zeigte dabei, dass Logistiker beim Neubau nicht nur den Blick auf die Immobilie allein richten dürfen: Laut Sega entschied man sich für die manuelle Logistik, weil im Kreis Recklinghausen eine relativ hohe Arbeitslosenquote herrsche. Die Größe der Flächen hat auch ihre Nachteile – die Kommissionierer müssen teilweise sehr lange Wegstrecken laufen, so dass Metro inzwischen über fahrerlose Transportsysteme nachdenke, um Zeit zu sparen.

Gute Immobilie hilft bei Mitarbeitersuche

Auch Reiner Weber; freier Architekt und Planer für Handel und Logistik aus Heilbronn, betonte, welche Rolle die Mitarbeiter bei einer neuen Immobilie spielen – oder besser, dass auch ein Neubau bei der Mitarbeitersuche eine Rolle spiele: „Geschäfte machen Menschen“, sagte er, und wenn die Logistikimmobilie einen guten Eindruck mache, tue sich das Unternehmen auch bei der Mitarbeiterfindung leichter. Auch dies müssten Planer und Bauherren, neben den Bereichen Gebäudeanforderungen, Bauteile und Entwicklung, bei einem Neubau auf dem Monitor haben.

Auf eine Reise in die Logistik 4.0 nahm Martin Gräb die Teilnehmer des Symposiums mit: „Diese Kombination aus Technik, Informatik und Bauschutzaspekten ist in kaum einer Branche so vorhanden“, sagte der Geschäftsführer des Unternehmens BSS Bohnenberg aus Solingen und zeigte Beispiele von komplexen, hoch integrierten Kommissionierzentren. Welche Vorteile eine Automatisierung im Lager bringt, zeigte Gräb anhand der Faktoren Flächenbedarf, Brand- und Diebstahlschutz, Lagerorganisation und Ergonomie.

Herausforderungen in Tschechien

Die einzelnen Entwicklungsschritte eines neuen Standortes – von der Standortfindung über die Suche der richtigen Partner bis zur Mitarbeiterrekrutierung – führte Erik Lassen vom Logistikdienstleister Geis in einem Best-Practice-Beispiel auf. Das Unternehmen mit 6.300 Mitarbeiter hat insgesamt 140 Standorte – darunter seit diesem Jahr auch im tschechischen Chomutov, wo Geis künftig für den Online-Anbieter babymarkt.de die E-Commerce-Logistik abwickelt. Lassen, der als Geschäftsführer von Geis Industrie-Service aus Nürnberg für die Realisierung des Projekts verantwortlich ist, machte deutlich, dass auch im Ausland nicht nur Chancen, sondern auch Herausforderungen bestehen: Etwa sei das Thema Brandschutz in Tschechien noch viel komplexer als in Deutschland, auch die Mitarbeiterrekrutierung und vor allem das Halten der Mitarbeiter sei nicht einfach: Kooperation, Zusammenarbeit, Partnerschaft – egal wie man es nennt, zusammen geht es leichter, auch in der Handelslogistik. Den Beweis können der Naturhändler Alnatura und der Palettendienstleister Paki antreten: Simon Schmitt, bei Alnatura Head of Supply Chains Operations, und Klaus Dörr, Vertriebsleiter DACH bei Paki Logistics, haben das Problem der Palettenabwicklung bei Alnatura gemeinsam gelöst.

E-Commerce gemeinsam voranbringen

Dass eine Partnerschaft auch über Jahre hinaus Erfolg hat, zeigt auch das Beispiel von Dachser und dem Designmöbel-Anbieter Kare, der im Rahmen eines Franchisesystems 100 Shops in 50 Länder hat, Großhändler beliefert und im E-Commerce tätig ist. So individuell wie die Möbelstücke sind, muss auch die Logistik individualisiert sein, sagte Vertriebsverantwortlicher Thomas Birner: „Standards sind ganz schwierig“. „Als Dienstleister ist man da gefordert, sehr flexibel zu sein“, sagte Jeanette Lauschke, Corporate Business Development Manager Solutions bei Dachser.

Der „Schlüssel für die Optimierung der Supply Chain“ ist laut Oliver Wittig von Henkel aus Düsseldorf die Kollaboration. Ein Best-Practice-Beispiel ist dabei die Zusammenarbeit von Henkel und Metro für mehr Effizienz in der Lieferkette. Das passt, weil laut Wittig – der den Titel Trade Logistics, Head of Logistics D/CH/BNL, Supply Chain Laundry & Home Care trägt – beide den Konsumenten als Kunde im Mittelpunkt haben. Das Ziel der Zusammenarbeit war dann auch zuallererst die bessere Warenverfügbarkeit im Regal. Nebenziele: ein höherer Umsatz, Reduzierung von Kosten, Optimierung der Bestände, eine verbesserte Nachhaltigkeit.

Gemeinsame Plattform von Handel und Dienstleister

Um das zu erreichen, setzte der Handelskonzern sein Metro Supplier Collaboration Portal auf, um mehr Transparenz über Prozesse und Problemursachen zu bekommen. Als Basis dienten die Standards der Standardisierungsorganisation GS1 Germany, gleichzeitig verständigte man sich auf einheitliche KPI, um einen Informationsaustausch auf Augenhöhe zu erzielen.

Nicht nur schnell und zuverlässig, auch die Nachhaltigkeit ist ein Kriterium in der Handelslogistik – und der Versandhändler Kaiser + Kraft Europa setzt das Nachhaltigkeitsprinzip bereits seit längerem in der Unternehmensstrategie um. Ein wichtiges KPI in der Logistik ist der Anteil der CO2-neutralen Transporte, sagte Eva Nickolaus, Bereichsleitung Logistik. „Wir sind ja auch als Lieferant tätig – und sehen nur eine Zukunft für uns, wenn wir nachhaltig arbeiten“, sagte Nickolaus.