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15.04.2015Von Armin Haug und Hans-Jürgen Friedrich

Ein moderner Star muss teamfähig sein

Eine Abwägung – mit Jogi Löw als Stichwortgeber

DVZ-Artikel

Stars sind bekannt. Stars werden bewundert. Ein Star zu sein, das ist für manche erstrebenswert. Doch Stars sind in aller Regel auch eines – allein. Was im Geschäftsleben spannende Fragen aufwirft: Brauchen Logistikunternehmen einen Star? Wenn ja, wie passt dieser mit dem oft beschworenen Teamgedanken zusammen? Und wenn nein, welche Mitarbeiter braucht ein Unternehmen, um selbst zum (Branchen-) Star zu werden?

Joachim Löw hat in einem Interview auf die Frage, wie viele Egoisten ein Team vertrage, geantwortet: „Der Teamgedanke schlägt im Zweifel den Individualismus. Letztendlich ist immer wichtiger, dass das Team funktioniert. Wenn jemand außergewöhnlich gut ist, aber alle anderen in irgendeiner Form blockiert und behindert, dann ist es schwierig.“

Löws Aussage ist deshalb so interessant, weil Fußball bekanntlich ein Mannschaftssport ist. Dennoch sind Favoriten oft die Teams mit den Superstars. Argentinien hatte Lionel Messi. Brasilien hatte Neymar. Die Niederlande hatten Arjen Robben. Deutschland dagegen hatte keinen wirklichen Star – aber dafür am Ende den Weltmeistertitel. Was können wir daraus für die Speditions- und Logistikbranche lernen?

Anführer statt Egoisten

Unternehmen in diesem Segment haben einen Wirkmechanismus nach innen wie nach außen. In einer Zeit des gnadenlosen Konkurrenzkampfs, teilweise mit rigidem Verhalten gegenüber Kunden und Mitarbeitern, ist es deshalb umso wichtiger, die richtigen Führungskräfte – sprich Stars – zu haben. Doch Achtung: Diese Führungskräfte allein können die Schlacht am Markt nicht gewinnen. So wenig, wie sie auf dem Egotrip die dazu nötigen Prozesse zu etablieren vermögen. Dies geht am Ende des Tages nur mit einem gut geführten Team. Dieses zu generieren und zu leiten, das ist die eigentliche Herausforderung, der es sich zu stellen gilt. Denn wenn
dies gelingt, kann es auch zu ertragreichem Umsatzwachstum kommen. Und nur dann können auch die Stars, sprich die Führungsspitze, glänzen. Was also braucht es, um ein solches Team zu formen?

Freiheit als Erfolgsfaktor

Ganz allgemein gesagt: Jedes Teammitglied muss befähigt werden,genauso produktiv wie die Führungspersönlichkeit selbst sein und Prozesse voranbringen zu können. Damit dies gelingt, brauchen Teammitglieder Freiräume bei ihrer Arbeit. Diese zu schaffen ist wiederum die Aufgabe der Führungskraft. Was aber geschieht, wenn das Gegenteil der Fall ist und ein Star allein glänzen möchte? Wenn Menschen tieferer Hierarchieebenen eingeengt werden, nicht zuletzt über die Schaffung von fraglichen Machtsphären? Dann – und das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse – ist der Star keine gute Führungskraft. Führung und positive Dominanz in einem Unternehmen sind absolut wichtig. Doch dabei müssen die Kommunikation und der Umgang miteinander respektvoll und vertrauensvoll sein. Abgehobene Stars führen zu Resignation im Team, zu Gleichgültigkeit und letztlich zu Misserfolg und Umsatzverlust. Der notwendige, oft beschworene Teamgedanke muss in einer positiven Korrelation zu einer Führungspersönlichkeit (dem Star in der Firma) stehen. Was auch die Frage beantwortet, welche Mitarbeiter ein Unternehmen somit braucht, um selbst ein Star der Branche zu werden: Es sind motivierte, selbstbewusste, mit genügend Freiraum ausgestattete Mitarbeiter, die täglich in der Lage sind, sich in ihrem Job selbst zu verwirklichen. Werden sie dabei von (vermeintlichen) Stars eingeengt oder gar behindert, führt das letztlich zum Stillstand und zur Abkehr vom eigenen Unternehmen, schlimmstenfalls sogar zum Unternehmenswechsel.

Geld heilt nicht alle Unsitten

Es gibt aktuell durchaus Unternehmen, die solche negativen Stars dulden, um kurzzeitige Erfolge zu generieren.
Sie binden ihre Mitarbeiter nicht durch Freiräume und Motivation, sondern durch eine überdurchschnittliche Entlohnung, um so deren „Schmerzgrenze“ zu erhöhen. Mittel- und langfristig dürfte das jedoch für die Mitarbeiter eine fatale Auswirkung haben. Ein Logistikunternehmen kann also durchaus einen Star vertragen
– wenn dieser sich kollegial in sein Team einfügt. Er muss insofern eine souveräne Autorität sein, die die bekannten Themen Fördern und Fordern vereinen kann. Eine Autorität, die das Know-how der Mitarbeiter nicht als Bedrohung wahrnimmt, sondern als Chance. Wer deren Kompetenzen fördert, ist ein moderner Star, der dann auch ins Team passt. Seine Aufgabe ist primär, dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter im Unternehmen motiviert, selbstbewusst und mit Freude agieren können. Ein solcher Typ Star muss ein kreativer Kopf mit Visionen sein, ein Vordenker, aber auch ein Macher. Dann stellen sich auch entsprechende Erfolge im inneren und äußeren Wirkungskreis seines Unternehmens ein. Erinnern wir uns also noch mal an die These von Jogi Löw. Auf Nachfrage, ob ein Star im Team wirklich nötig ist, hat er eine klare Antwort: „Im Zweifel nicht!“